Es ist der Moment, in dem viele am Schreibtisch zögern: Die Trauerkarte ist geschrieben, der Umschlag liegt bereit. Nun stellt sich die heikle Frage: Lege ich Geld hinein? Und wenn ja, wie viel? Wirkt das nicht pietätlos, als wolle man den Schmerz „bezahlen“?
Ganz im Gegenteil. In unserer Kultur ist eine Geldbeigabe in der Trauerkarte eine feste Tradition und eine geschätzte Geste. Beerdigungen sind teuer, und der anschließende „Leichenschmaus“ (Kaffee und Kuchen) sowie die erste Grabgestaltung gehen ins Geld. Der Schein in der Karte ist keine Bezahlung, sondern eine solidarische Unterstützung für diese Kosten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zweck: Das Geld dient symbolisch für „Blumen und Kränze“ oder die spätere Grabpflege.
- Die Faustregel: Je näher Sie dem Verstorbenen standen, desto höher der Betrag.
- Richtwerte: Nachbarn/Bekannte: 20–30 €; Freunde: 30–50 €; Enge Verwandte: 50–100 €.
- Ausnahme: Wenn in der Todesanzeige ausdrücklich um Spenden für eine Organisation gebeten wird, gehört meist kein Bargeld in die Karte.
- Der Satz dazu: Erwähnen Sie das Geld kurz im Text, z. B. „Für späteren Grabschmuck“.
Die Staffelung: Wie viel gibt man wem?
Die Höhe des Betrags hängt von zwei Faktoren ab: Ihrer persönlichen Nähe zum Verstorbenen und Ihrer eigenen finanziellen Situation. Niemand erwartet, dass ein Student oder Rentner mit kleiner Rente große Summen gibt.
Hier sind die gesellschaftlich üblichen Richtwerte für Normalverdiener:
1. Nachbarn, Bekannte, Vereinskollegen
Hier geht es um die Geste der Anteilnahme. Man möchte zeigen, dass man an die Hinterbliebenen denkt.
- Betrag: 20 € bis 30 €
- Hinweis: Bei Arbeitskollegen wird oft im Team gesammelt, sodass ein größerer Gesamtbetrag übergeben wird.
2. Gute Freunde und enge Nachbarn
War man per Du, hat man sich regelmäßig besucht oder über Jahre hinweg „Gartenzaun-Gespräche“ geführt, darf es etwas mehr sein.
- Betrag: 30 € bis 50 €
3. Enge Freunde und Verwandtschaft
Stehen Sie der Familie sehr nahe (Tante, Onkel, bester Freund der Familie), ist das Geld oft ein direkter Beitrag zu den hohen Bestattungskosten oder dem Kaffeetrinken danach.
- Betrag: 50 € bis 100 € (nach oben offen)
Wann sollte man KEIN Geld schenken?
Es gibt Situationen, in denen Bargeld unpassend ist. Lesen Sie die Traueranzeige oder die Einladung zur Trauerfeier genau durch.
- „Statt Blumen bitten wir um eine Spende an…“: Oft wünschen sich Verstorbene oder Angehörige eine Spende an die Hospizhilfe, die Krebsforschung oder einen lokalen Verein.
- Vorgehen: Überweisen Sie das Geld direkt an die Organisation unter dem angegebenen Kennwort. In die Trauerkarte schreiben Sie dann: „Im Sinne des Verstorbenen haben wir eine Spende an die Krebshilfe getätigt.“
- „Von Beileidsbekundungen und Geldzuwendungen bitten wir abzusehen“: Dieser Wunsch ist selten, aber wenn er explizit dort steht, müssen Sie ihn respektieren.
Wie verpackt man das Geld?
Einen Geldschein einfach lose in den Umschlag zu werfen, wirkt lieblos.
- Platzierung: Legen Sie den Schein in den Falz der Klappkarte. Wer möchte, kann eine kleine Büroklammer nutzen (Vorsicht bei edlem Papier, das hinterlässt Abdrücke) oder den Schein in ein extra kleines Tütchen legen.
- Der Zustand: Versuchen Sie, saubere und glatte Scheine zu verwenden. Ein völlig zerknitterter 5-Euro-Schein aus der Hosentasche wirkt nicht feierlich.
- Gemeinschaftskarten: Wenn mehrere Nachbarn zusammenlegen, ist es schöner, das Geld in einen größeren Schein zu wechseln (z. B. einen 50er statt fünf 10er).
Die Formulierung in der Karte
Viele Menschen fühlen sich unwohl, das Geld kommentarlos beizulegen, wissen aber nicht, wie sie es ansprechen sollen. Hier sind pietätvolle Formulierungen, die dem Geld einen Zweck geben:
- „Für ein paar Blumen als letzten Gruß.“
- „Für den späteren Grabschmuck.“
- „Eine kleine Unterstützung für die Grabpflege.“
- „Ladet Euch nach der schweren Zeit von diesem Beitrag einmal zum Essen ein, um auf [Name] anzustoßen.“ (Sehr persönlich, eher für Freunde).
Fazit
Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken über die exakte Summe. Bei einer Trauerkarte zählt nicht der materielle Wert, sondern die Tatsache, dass Sie an die Hinterbliebenen gedacht haben. Auch 20 Euro sind eine würdige und willkommene Geste, die zeigt: „Ich möchte euch in dieser Zeit ein wenig Last abnehmen.“
