Ab dem 60. Lebensjahr macht sich eine merkliche Veränderung der Sehfähigkeit bemerkbar. Die Augenlinse verliert an Klarheit, die Pupille zieht sich stärker zusammen und die Netzhaut reagiert weniger empfindlich auf Lichtreize. Während diese Veränderungen tagsüber oft nicht auffallen, können sie abends oder in dunklen Räumen schnell zu Schwierigkeiten führen: Buchstaben verschwimmen, Kanten und Stufen sind schwer zu erkennen, und die Orientierung im eigenen Zuhause erfordert plötzlich mehr Aufmerksamkeit als gewohnt. Ein erhebliches Maß an diesen Einschränkungen kann jedoch durch eine gezielte Beleuchtung kompensiert werden.
Warum das Auge mit den Jahren mehr Licht braucht
Ein 60-jähriges Auge benötigt etwa doppelt so viel Licht wie ein 20-jähriges, um dieselbe Sehleistung zu erreichen. Die Ursache liegt vor allem in der altersbedingten Eintrübung der Augenlinse, die weniger Licht auf die Netzhaut durchlässt. Parallel dazu steigt die Blendempfindlichkeit, weil einfallendes Licht in der getrübten Linse stärker gestreut wird. Untersuchungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigen, dass ältere Menschen bei gleicher Beleuchtungsstärke deutlich schlechtere Kontrastwerte wahrnehmen als jüngere Personen.
Für die Beleuchtung zu Hause bedeutet das: Die oft zitierten 300 Lux für allgemeine Wohnbereiche reichen in vielen Fällen nicht mehr aus. In der Küche, am Schreibtisch oder am Leseplatz sind 500 Lux oder mehr sinnvoll. Gleichzeitig sollte das Licht möglichst gleichmäßig verteilt sein, um harte Schattenkanten zu vermeiden, die das Sehen zusätzlich erschweren.
Die richtigen Kennzahlen beim Leuchtmittelkauf
Drei Kennzahlen helfen dabei, geeignete Leuchtmittel zu finden. Alle drei stehen auf jeder handelsüblichen Verpackung.
Der Lichtstrom, gemessen in Lumen (lm), gibt an, wie hell eine Lampe tatsächlich leuchtet. Eine alte 60-Watt-Glühbirne lieferte rund 710 Lumen. Für Leselampen oder Arbeitsflächen empfehlen Lichtplaner mindestens 800 bis 1.000 Lumen.
Die Farbtemperatur, angegeben in Kelvin (K), beschreibt die Lichtfarbe. Warmweißes Licht mit 2.700 bis 3.000 K eignet sich für Wohn- und Schlafräume. Neutralweißes Licht mit 4.000 K ist in Küche, Bad und Flur die bessere Wahl, weil es Kontraste schärfer abbildet und Farben natürlicher erscheinen lässt.
Die dritte Kennzahl ist der Farbwiedergabeindex, abgekürzt Ra oder CRI. Er zeigt auf einer Skala bis 100, wie natürlich Farben unter dem jeweiligen Licht wirken. Für Wohnräume sollte der Ra-Wert mindestens 80 betragen, besser 90 oder höher. Wer gezielt LED Beleuchtung kaufen möchte, findet diese Angaben in den Produktdatenblättern und kann so verschiedene Modelle sachlich miteinander vergleichen.
Ein weiterer Punkt ist die Flimmerfreiheit. Günstige Leuchtmittel mit minderwertigen Vorschaltgeräten können ein kaum sichtbares Flimmern erzeugen, das bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen oder Augenermüdung auslöst. Hochwertige LED-Leuchtmittel mit einem Flimmerwert unter 10 Prozent gelten als besonders augenschonend.
Räume gezielt ausleuchten: Wo gutes Licht den größten Unterschied macht
Am besten ergänzt man die Deckenlampe am Leseplatz mit einer zweiten Leuchte, z. B. mit einer Steh- oder Tischlampe. Sie sollte mindestens 800 Lumen und eine neutralweiße Farbtemperatur abgeben, damit wir die Schrift klar und kontrastreich sehen. Der Abstand zwischen Lichtquelle und Lesefläche sollte etwa 40 bis 60 Zentimeter betragen, damit das Licht die Seite gleichmäßig ohne zu blenden erreicht.
Im Flur und auf Treppen ist gleichmäßige Grundhelligkeit ohne dunkle Ecken wichtig. Leuchten mit Bewegungsmeldern schalten sich sofort ein, sobald jemand den Raum betritt. Wenn kleine Orientierungslichter mit einer warmweißen Farbtemperatur unter 3.000 K benutzt werden, findet man nachts auch den Weg zur Toilette, ohne den Schlafrhythmus mit blauem Licht zu stören.
Im Bad wünscht man sich Licht rund um den Spiegel. Der UGR-Wert (Unified Glare Rating) drückt aus, wie stark eine Leuchte blendet. UGR-Werte unter 19 gelten als komfortabel. Seitlich angebrachte Leuchten verteilen das Licht gleichmäßiger als eine Lampe direkt über dem Spiegel und werfen viel weniger Schatten ins Gesicht.
